Sommerloch: Die erfundene Nutella-Krise

Jeder kennt die Begriffe: Als Sommerloch oder auch Sauregurkenzeit wird der Teil des Jahres bezeichnet, in dem aufgrund der Sommerpause in Politik, Medien oder der Sportwelt verhältnismäßig wenig zu berichten gibt. Hier werden üblicherweise Kamellen über Krokodile im Dorfteich oder andere Kuriositäten aufgebauscht. Der diesjährige Skandal hat in Sachen Dämlichkeit allerdings eine neue Stufe erreicht: Deutschland fürchtet eine Nutella-Knappheit, da angeblich der Haselnuss-Preis steige.

Zeitungen springen auf den Zug auf

Was im Wirtschaftsteil renommierter deutscher Tageszeitungen steht, muss nicht unbedingt fundiert sein oder Sinn ergeben. Die Fakten so weit: In der Türkei, dem größten Produzenten von Haselnüssen der Welt, war das Wetter eher kalt. Möglicherweise wird die Ernte dieses Jahr kleiner ausfallen. Möglicherweise wird dies Auswirkungen auf den Marktpreis von Haselnüssen haben. Was aus diesen beiden Punkten in der deutschen Presse konstruiert wird, lässt sich an Absurdität kaum überbietet. Der medienkritische Blogger Stefan Niggemeier hat die mediale Blamage anschaulich aufbereitet. Mittlerweile sind auch ausländische Zeitungen auf die absurde Meldung aufgesprungen. Ganz Europa lebt also mittlerweile in der Angst, dass Nutella knapp oder teurer werden könnte, weil eine Zutat des süßen Brotaufstrichs geringfügig teurer werden könnte. Verzweifelte Suche nach Themen oder eine von Ferrero angestoßene Werbe-Kampagne? Beide Varianten werfen kein gutes Licht auf den deutschen Journalismus.

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